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Traditionelle
chinesische
Tuschemalerei

Philosophie

Die Kunst der chinesischen traditionellen Tuschemalerei, die auf der über fünftausendjährigen chinesischen Philosophie und Denkweise basiert, gehört zu den wertvollsten Schätzen der Weltkultur.

 

Die chinesische Malerei strebt nach einer Natürlichkeit, Stille und Gelassenheit, die auf den Ursprung des Daoismus zurückzuführen ist. Dem Gemälde liegt das Prinzip zu Grunde, dass seine äußere Form die Natur und sein innerer Gedanke die Empfindung des Herzens zeigen sollen (Zhang Zao), diese Philosophie ist die geistige Quelle, aus der die chinesischen Maler zu allen Zeiten schöpften. Darüber hinaus hat ein traditionelles chinesischen Gemälde nicht nur eine Form sondern auch eine philosophische Aussage der Symbolik, welche die Wünsche und Hoffnungen des Menschen repräsentieren.

Malstile

Man unterteilt die traditionelle chinesische Malerei in zwei verschiedene Malstile:

 

Der Xie-Yi Stil (Freihand-Stil) welcher mit sparsamen Pinselstrichen den Sinn der Dinge ausdrückt, und es ermöglicht rasch ein Bild zu vervollständigen. Die reduzierte Striche sollen lebendig und dynamisch sein, um die ein eindrückliches Motiv zu zeichnen. Dieser Stil geht ursprünglich auf die Gemälde von Liang Kai (Südsong-Dynastie 1127-1279) zurück, eines seiner Bilde „ Unsterbliche Figur in Tusche“, war ein Beispiel des umstürzlerischen Stils der damaliger Zeit , dabei wurde er als Stammvater des Stils anerkannt.

Der Gong-Bi Stil (präziser Stil), wurde als höfische Malerei bezeichnet, welche in der Song-Dynastie (960-1279) zur Blüte gelangte. Er wird auf geleimtem Papier oder Seide gezeichnet und verlangt diszipliniertes, präzises Arbeiten. Der Maler Huang Quan (903-968) gilt durch sein „Bild der seltenen Vögel“, welches bis ins feinste Detail gemalt wurde, als Stammvater dieses Stils.

„Bild: Unsterbliche Figur mit Tusche“

27,7 x 48,7cm von Liang Kai (Südsong-Dynastie 1127–1279) im Palastmuseum Taibei

„Bild der seltenen Vögel“

70,8 x 41,5 cm von Huang Quan (879– 965) im Palastmuseum Beijing

Komposition

Die Komposition der chinesischen Malerei bezieht sich auf das alte Prinzip des Yin und Yang aus daoistischer Weltanschauung. Das Prinzip des Yin und Yang (weiblich und männlich) beruht auf der Gegensätzlichkeit aller Dinge. Alles im Universum kann nur existieren, weil es eine entgegengesetzte Entsprechung besitzt: so ist beispielsweise der Himmel dem Yang und die Erde dem Yin zugeordnet. In der Malerei drückt sich dies in den Gegensätzen von Surrealität und Realität, Intensität und Blässe, von Spärlichem und Üppigem, von Schlichtem und Kompliziertem, durch Dynamik und Ruhe und mehr aus. Ein Gemälde sollte deshalb eine harmonische Ausgewogenheit zwischen Yin und Yang herstellen.

Lernen

Die Lehrmethode der traditionellen chinesischen Malerei weist im Vergleich zur westlichen Malerei eine Besonderheit auf: das Erlernen basiert in der Malerei auf der Nachahmung, der Schüler malt Schritt für Schritt nach dem Vorbild des Meisters. Die bekannteste Lehrbücher mit umfassender Erklärung sind: Lehrbuch für Kalligraphie und Malerei der Zehnbambushalle (1644) und das Malereihandbuch des Senfkorngartens (1679). Ebenso hervorragende Lernmaterialien gibt es auch aus neuerer Zeit. Darin werden detaillierte Erklärungen und Demonstrationen sowie Beispiele vorbildlicher Bildkompositionen gezeigt, für den Anfänger wird so ein direkter Lernweg zur Beherrschung der Maltechnik bereitgestellt.

Material

 

Bambuspinsel sind die wichtigsten Malwerkzeuge in der Tuschemalerei. Von den Künstlern wird in der Regel eine sehr hohe Qualität verlangt.

Die Pinselhaare stammen überwiegend von Ziegen, Wieseln, Dachsen, Pferden, Kaninchen und Ratten.

Tusche wird in zwei Formen verwendet: in Flaschen abgefüllte flüssige Tusche und in trockener Stabform gepresste Tusche. Die trockene Tusche muss zur Verwendung auf einem Tuschereibstein mit Wasser gerieben werden.

Das Papier hat einzigartige Qualitäten: es ist geschmeidig, alterungsbeständig und faltenlos und hat außerdem eine hohe Wasserabsorbtionsfähigkeit.

Das bekannteste und auch am häufigsten verwendeten Papier heißt auf chinesisch Xuan-Papier und wird zu 100% aus verschiedenen pflanzlichen Materialien in Handarbeit erzeugt.

Bei den Farben der traditionellen chinesischen Malerei handelt es sich um Naturfarben aus Pflanzen, Mineralien und Erden. Sie werden meistens in Pulver- oder Würfelform angeboten und haben eine strahlende Farbwirkung, sie in der Regel aber sehr teuer. Statt der

Naturfarben bieten Hersteller auch synthetische Farben in Tuben in großer Farbtonvielfalt. Diese bieten ein leicht zu erzeugendes Mischergebnis mit Tusche und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Weiteres Malzubehör:

Stempel und Stempelfarbe, weiße Untertassen, Porzellanschälchen zum Farbmischung, Filzunterlage, Wassergläser, Pinselhalter, Papierbeschwerer.